Politische Taktikspiele statt Anerkennung des Wählerwillens und ehrenamtlichen Engagements

Was sich in der konstituierenden Gemeinderatssitzung in Himmelstadt abspielte, sorgt bei vielen Bürgern für Unverständnis. Bei der Wahl der stellvertretenden Bürgermeister mussten der ausdrückliche Wählerwille sowie langjähriges ehrenamtliches Engagement für die Gemeinde hinter parteipolitischem Kalkül zurückstehen.

Mit Ingrid Haimann nominierte die CSU-FBL eine Kandidatin, die seit vielen Jahren für Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft und gelebtes Ehrenamt steht. Dies wurde durch die Wählerinnen und Wähler bei der Gemeinderatswahl deutlich gewürdigt.

Seit 13 Jahren ist sie Mitglied des Gemeinderats und hatte über zwei Wahlperioden auch den Vorsitz des kommunalen Rechnungsprüfungsausschusses inne. Außerdem war sie sechs Jahre Vorsitzende des Arbeitskreises zur 1200-Jahrfeier. Darüber hinaus ist sie tief im örtlichen Leben verwurzelt und unter anderem seit 12 Jahren als Kassierin des St. Johanniszweigvereins, dem Trägerverein des Kindergartens, und als Organisatorin des Pfarrzentrumsbetriebs aktiv. Auch in persönlich äußerst schweren Zeiten blieb sie ihren gemeindlichen Verpflichtungen und ihrem ehrenamtlichen Engagement stets mit großer Verlässlichkeit treu.

Doch diese Bilanz schien bei der Entscheidung im Gemeinderat keine Rolle zu spielen. Andreas Scheb (SPD) wurde zum zweiten Bürgermeister gewählt, gefolgt von Michael Radke (Neue Liste) als drittem Bürgermeister. In einem taktisch geprägt wirkenden Abstimmungsverhalten wurden die Posten hier untereinander verteilt und der klare Wählerwille übergangen.

Denn dass beide Gruppierungen in den Wahlgängen geschlossen gegen Ingrid Haimann stimmten, ist umso schwerer nachvollziehbar mit Blick auf das Ergebnis der Gemeinderatswahl: Mit 951 Stimmen erhielt Ingrid Haimann hier mit Abstand das beste Ergebnis aller Kandidatinnen und Kandidaten und somit ein eindeutiges Votum der Wählerinnen und Wähler. Michael Radke hingegen, der nun das Amt des dritten Bürgermeisters bekleidet, lag mit 494 Stimmen an lediglich sechster Stelle der gewählten Gemeinderatsmitglieder und folglich weit hinter Ingrid Haimann.

Für die CSU-FBL-Fraktion wirft dieses Vorgehen grundlegende Fragen auf: Welche Bedeutung haben künftig noch der Wählerwille und der direkte Rückhalt aus der Bevölkerung? Welche Rolle spielen persönliches Engagement und die Anerkennung ehrenamtlicher Leistungen? Und inwieweit werden zukünftige Entscheidungen im Gemeinderat statt vom Wohl der Bürgerinnen und Bürger eher von parteipolitischen Absprachen geprägt sein?

Insgesamt ist dies ein enttäuschender Auftakt für die neue Legislaturperiode.